Die Qualität des Netzwerkes

by Raphael Haase

Ich bin zur Zeit auf meinem persönlichen “Klasse statt Masse”-Trip. Deswegen war in den letzten Wochen die Blog-Post-Quote in meinem Blog auch etwas irregulär. Es gab eine Reihe an Tagen, an denen ich nicht das Gefühl hatte, etwas besonders Sinnvolles teilen zu können. In den letzten Tagen fällt mir da wieder mehr ein.

Und ich habe gerade einen interessanten Artikel gelesen, der von etwas Ähnlichem handelt: die Qualität des Netzwerkes im Sinne von “kenne ich die Leute, die mir in Twitter follown und die ich als ‘Freunde’ in diversen Social Networks habe, wirklich oder sind sie im Grunde nur Zuhörer und ich bin auf dem Weg zu einem Massenmedium, das nur mehr von Monolog geprägt ist”.

Mir ist schon seit einiger Zeit aufgefallen, dass einige Twitter mehr wie IRC benutzen, also mehr ständige Diskussion führen, als einzelne Statements mit etwas mehr Gehalt (die dann zwar über Replies verknüpft sein können, aber nicht nur Momentgedanken darstellen). Und offensichtlich scheint auch fast ein Wettkampf darüber ausgebrochen zu sein, wer die meisten Follower hat.

Das war doch alles nicht der Sinn von Web 2.0. Das klingt alles genau so wie die Quotenmessungen vom Fernsehen. Es geht mehr darum, wie viele zuhören, nicht wer genau zuhört. Web 2.0 mutiert zurück zu Web 1.0. (Was nichts Neues ist. Der Umstand, dass es wenige Leader gibt und viele Schafe, wodurch aus einer anfangs hierarchielosen Gruppe schließlich ein Team mit stärkerer Hierarchie wird, ist eines der menschlichsten Phänomene überhaupt.)

Was ich so faszinierend finde, ist, dass genau diese Entwicklung von Web 2.0 mit fast jeder neuen Technologie auch auftritt. Zuerst beginnt alles einfach, dann kommen langsam die Formalisierungen und das Universum zu der Technologie konsolidiert sich auf wenige Technologien, das geht eine Zeit lang gut und dann geht es vielen Menschen auf die Nerven. Dann werden die Strukturen wieder in Stücke gerissen, laut “back to roots” gerufen und man konzentriert sich wieder auf weniger, einfachere Strukturen. Wie bei Zen. Das vermittelt den Eindruck, dass die Menschen nie so wirklich dazu lernen würden. Warum ist das so?