Der Konferenzengel

by Raphael Haase

Vor 4 Tagen hat es mein neuestes Projekt, das ich zusammen mit Manuel Gruber baue, in den App Store geschafft.

Conangel

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Als ich bei amiando im Frühjahr 2008 ein Praktikum machte und das iPhone-Praktikum am Brügge-Lehrstuhl bereits eingeplant war, kam mir die Idee: Wäre es nicht cool, Konferenzen auch über das iPhone zu unterstützen? Pläne und am besten gleich Tickets, direkt vom iPhone. Ich dachte ein bisschen über mögliche Features nach und versuchte, beides zu verknüpfen: amiando und das Brügge-Praktikum.

Doch schnell wurde mir klar, dass beide Seiten leider überhaupt nicht so recht verstanden hatten, was man da alles machen könnte. Bei amiando konzentrierte man sich lieber auf das Kernprodukt. Und beim Brügge-Lehrstuhl sollten wir einen NDA unterschreiben und gleichzeitig sämtliche Rechte an unserem Werk an den Lehrstuhl abtreten. Entsprechend empfahl mir einer der Praktikums-Betreuer auch, ein eigenes Projekt lieber nicht in das Praktikum an der Uni einzubringen, sondern selbst zu starten, unabhängig von der Uni. Ich kenne die Gründe für diese Regelung am Lehrstuhl nicht, aber finde das schon etwas schade. Hätte es da nicht eine Kompromisslösung gegeben?

Die Idee schwirrte eine Zeit lang in meinem Kopf herum. Und ich erzählte einigen Leuten davon. Aber niemand schien zu resonieren. Hatte ich die Idee nur falsch gepitcht? Konnte sich niemand etwas darunter vorstellen? Irgendwie war ich verwirrt. Wie konnte denn kein einziger anbeißen? Ich war immer noch von der Idee überzeugt.

Aber andere Verlockungen lenkten mich wieder weg von der Idee. Ich hatte damals auch noch nicht begonnen zu meditieren. Ich war zu sehr gefangen in dem Strom aller Ereignisse um mich herum und hatte keine Kontrolle, viel schlimmer: Kein Bewusstsein darüber, was passiert.

Und so versiegte die Idee erst einmal wieder. Bis Manuel mal wieder nach München kam. Er war schon seit ein paar Monaten in Berlin und wir wollten uns einfach mal wieder treffen, um zu sehen, was der jeweils andere machte. Wir redeten über alle möglichen Sachen. Und kurz bevor wir wieder los mussten, brachte er ein neues Thema auf. Ich entwickelte doch fürs iPhone. Und er hätte da eine Idee. Er erzählte mir kurz davon. Ich wurde wieder ruhig und hörte gespannt zu. Moment mal, die Idee hatte ich doch auch schon einmal. Aber ich habe sie gar nicht verfolgt. Das ist der Weckruf!

Ich hatte noch eine andere Idee für eine Anwendung, mit der ich eigentlich zuerst beginnen wollte. Ich war gespalten: Eigentlich kam sein Vorschlag komplett deplatziert. Das Semester würde sehr bald wieder los gehen und ich wollte noch ein paar Sachen und die andere Anwendung fürs iPhone zuerst fertig machen. Konnte man das nicht irgendwie verschieben?

Nein, konnte man nicht. Mai stand vor der Tür und damit einige wichtige Konferenzen. Also mussten wir sofort beginnen. Wir machten ein paar Mockups für die App und relativ schnell stand das User Interface. Ich baute eine Zeit lang an der Anwendung herum und entwickelte ein Quick-and-Dirty-Datenmodell. Um dann drei Wochen vor geplantem Launch festzustellen, dass das Datenmodell schon für die erste Version untauglich ist und man es neu schreiben muss. Die Anwendung war nicht so umfangreich, angesichts der kurzen Zeit war das dann aber doch eine etwas schwere Entscheidung. Nach einigen Nächten lief die Anwendung dann auch entsprechend mit dem neuen Modell. Fehlte noch der Update-Mechanismus. Wieder nicht so kompliziert, aber bis es läuft, vergeht schon etwas Zeit.

An einem Samstag morgen gegen 5 Uhr war die Anwendung dann endlich so weit. Wir hatten beide die Nacht durch gearbeitet. Ich an dem Code, Manuel an dem Plan für die webinale, die erste Konferenz, die wir unterstützen würden. Die Anwendung musste endlich an Apple abgeschickt werden, um noch rechtzeitig im App Store zu stehen. Dann wieder iTunes Connect nicht. Ich konnte mich nicht einloggen. Ein häufiges Problem bei der ersten Anwendung. Wieso fixt Apple das nicht? Zum Glück ging Manuels Account. Und wie wir dann feststellten, war es offensichtlich auch nicht schlimm, dass wir seinen Account benutzen, die App aber natürlich mit meinem Zertifikat signiert war.

Eine Woche später, am Sonntag abend, war die Anwendung immer noch nicht im App Store. Wir brauchten einen Plan B: Wir verteilen Ad Hoc Bundles an die Leute. Dazu brauchten wir allerdings erst einmal deren Device IDs. Manuel kümmerte sich also am nächsten Tag darum, genau die von einigen Testern auf der Webinale zu kriegen. Doch es waren nicht sehr viele. Der Mechanismus über Ad Hoc Bundles war einfach zu aufwendig für die meisten.

Am Abend rief er mich dann an: “Wir müssen unseren Plan ändern.” Ich wusste zuerst nicht so genau, was er meint. “Wir müssen unseren Plan komplett ändern. Die App steht im App Store.”

Ganz knapp ging unser Debut dann also doch noch gut. Ich bin gespannt, wie es weiter geht.