Resumé zum Barcamp München 2009

by Raphael Haase

Ich fand das aktuelle Barcamp München super. Es gab ein paar Schwächen, aber die können mit ein bisschen Disziplin ganz leicht beim nächsten Mal verbessert werden. Es gab viele neue Themen, auch genügend technische und die Organisation war wirklich ordentlich. Insbesondere den Standort fand ich sehr viel besser als letztes Jahr. Die Messe München ist zwar immer noch nicht zentral in München, aber sehr gut erreichbar. Ich finde, es ist der beste Kompromiss zwischen Erreichbarkeit, Attraktivität des Gebäudes und Platz und man sollte den Standort im nächsten Jahr wieder wählen, wenn es geht.

Am ersten Tag gab es noch ein paar Disziplin-mäßige Schwächen: Die Session-Planung sollte um 10 beginnen, um 11 sollten die Sessions beginnen. Tatsächlich gingen die ersten Sessions erst um ca. 11:40 los. Der erste Block war also praktisch bereits vorbei. Da ich selbst gleich am Anfang eine Session machte und offensichtlich niemand den Raum ab 12 beanspruchte, haben wir bis 13 Uhr die Session gehalten. Die anderen haben das aber sicherlich nicht einheitlich gehandhabt: Hier sollte dann wenigstens einheitlich vereinbart werden, wie man vorgeht, wenn es denn ohnehin schon zu spät ist.

Das Mittagessen soll dann sehr kurz (15 Min) gewesen sein. Ich war da leider nicht da, weil ich zwecks Studium für ein paar Stunden in Garching war. Auch hier kann man etwas verbessern.

Abends haben wir dann in der Niederlassung, einer Nerd-Szene-Kneipe in München gefeiert und uns entspannt. Die Niederlassung ist zwar eigentlich viel zu klein für alle Teilnehmer. Das hat sich dann dadurch geregelt, dass einfach viele weiter gezogen sind, als es ihnen zu eng geworden ist.

Am Sonntag waren ein paar interessante Sessions dabei, wobei man schon merkte, das einige nicht mehr da waren: Es war offensichtlich sowohl ein Überschuss an Essen vorhanden als auch die Nutzung der deutlich Räume geringer als am Tag davor.

Die deutlichste Schwäche war an sich die Kommunikation: Viele sind offensichtlich nicht gekommen, die auf der Teilnehmer-Liste standen. Bei einigen hätte es wohl schon geholfen, ihnen vorher klar mitzuteilen, dass sie sich bitte abmelden sollen, wenn sie doch kurzfristig nicht kommen können. Samstag abend in der Niederlassung sollte es ursprünglich offensichtlich Freigetränke geben. Das war dann doch nicht der Fall und sorgte für Verwirrung. Niemandem war von Anfang an klar, was man zahlen musste. Das wurde dann erst so im Verlaufe des Abends klar. Außerdem scheinen viele den Sinn von Barcamps noch nicht wirklich verstanden zu haben. Zumindest ist mein Eindruck, dass selbst aus den relevanten Berufsgruppen viele mit dem Begriff “Barcamp” nichts anfangen können. Nachdem das ganze offensichtlich kostenlos ist, trägt das bei vielen dann vielleicht dazu bei, sich schon mal anzumelden, aber dann spontan doch nicht zu kommen.

Abschließend gab es eine obligatorische – und ausgedehnte – Feedback-Session. Ich denke, Feedback ist sehr wichtig. Ich finde aber, dass zu viel diskutiert wurde. Und insbesondere denken viele Deutsche hier leider zu kompliziert: Wir haben darüber diskutiert, dass so viele nicht gekommen sind, trotz Anmeldung. Deswegen gab es zu viel Essen. Dann wurden diverse Systeme vorgeschlagen über Hinterlegen einer Gebühr bis zu Auschluss von Nicht-Erscheinenden beim nächsten Mal etc. Oliver Gassner brachte einige Vorschläge und fügte stets hinzu, dass es sich um ein Beispiel handele, aber dass das hier nicht unbedingt diene zur Lösung des Problems. Leute, was soll das? Wenn immer 30% nicht kommen, rechnet exakt damit und fertig. Und wenn mal ein bisschen zu wenig Essen da ist, stirbt auch keiner. Noch mal verbessern kann man sich dann, wenn man das mal ausprobiert hat. Weniger reden, mehr ausprobieren und schauen, was läuft.
Mein Vorschlag zur Feedback-Session: Konkrete Zeit-Limits für einzelne Themen.

Insgesamt liefen also schon ein paar Sachen schief, die ärgerlich und unnötig waren. Sie können aber sehr einfach im nächsten Jahr behoben werden. Auch könnte die Atmosphäre in München noch etwas spaßiger, unternehmerischer und weniger kompliziert sein. Das scheint aber ein Problem an München zu sein. In München gibt es häufig Veranstaltungen, bei denen ich mich über den Grad an Trägheit und Panik gegenüber neuen Konzepten ärgere. Ist München zu alt? Ich denke, dass auf Barcamps viel mehr jüngere Teilnehmer (mindestens 50% unter 25 Jahren) teilnehmen sollten. Das kann man aber nicht wirklich steuern.

Zusätzlich fehlt dem Barcamp München noch das differenzierende Element. Einige merkten beim Feedback an, dass es noch nicht so wirklich besonders sei und die eine super tolle Sache fehle, von der man jedem über das Barcamp erzählen würde. Hier gibt es viele Möglichkeiten. Wenn jemand sich für eine stark macht, sie selbst organisiert und das ganze nicht von anderen platt geredet wird, kann sich das Barcamp in München wirklich von anderen absetzen.

Ich finde aber, dass das Organisationsteam seine Aufgaben sehr gut gemacht hat. Insbesondere geben über dem letzten Jahr ist eine deutliche Besserung spürbar. Auch der Standort war sehr gut und sollte nächstes Jahr wieder genutzt werden. Die Messe München hat uns angenehm willkommen geheißen und uns bei einem sehr guten Barcamp unterstützt. Insofern bin ich dem Organisationsteam des Barcamps und der Messe München sehr dankbar und freue mich darauf, dass sie im nächsten Jahr wieder ein tolles Barcamp in München ermöglichen werden.